Staatsoper Berlin
Emily Baldwin Sacre - Sasha Waltz' Strawinsky-Choreographie an der Berliner Staatsoper
Kreisverkehr elementarer Kräfte
von Elena Philipp
Berlin, 26. Oktober 2013. Karges Dunkel, von wenigen Scheinwerfern schlaglichtartig erhellter Nebel, ein staubender Aschehaufen – das ist die Szene von "Sacre": Sasha Waltz' Tribut an die Tradition, ihre Version des Frühlingsopfers, des vor genau hundert Jahren in Paris uraufgeführten, skandalumwitterten Schlüsselwerks der Moderne. Igor Strawinskys komplex rhythmisierte, ungewöhnlich orchestrierte Komposition, die schrecklich schöne Feier eines heidnischen Menschenopfers, erregte bei der Uraufführung Unmut, ebenso wie Vaslav Nijinskys Choreographie, die mit eingedrehten Füßen, gewinkelten Armen und zurückgeworfenen Köpfen 1913 gegen alle Regeln der akademischen Tanztechnik verstieß.